Wir sind – was wir essen: Die Darmflora


Die Darmflora bzw. Darmmikrobiota ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze etc.) im Darm. Sie ist für viele lebensnotwendige Vorgänge beim Menschen zuständig: zum Beispiel hilft sie beim Verdauen, produziert Vitamine und Fettsäuren, stärkt das Immunsystem und schützt vor Krankheitserregern.

Diverse Studien haben interessante Zusammenhänge zwischen verschiedenen Krankheiten und der Zusammensetzung der Darmmikrobiota festgestellt. Grundsätzlich gilt, je grösser die Diversität und Stabilität der Mikroorganismen, desto gesünder der Darm.  Ein Ungleichgewicht fördert dagegen Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, Bluthochdruck, Allergien, Zöliakie, Asthma, Autismus, Depressionen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Darmkrebs. Bemerkenswert ist insbesondere auch, dass der Vertrauungstrakt (vor allem die Darmflora) mit dem Gehirn über das zentrale Nervensystem kommuniziert. So beeinflussen zum Beispiel Angstzustände und Depressionen die Mikrobiota, was zu Verdauungsbeschwerden führen kann.

Noch ein paar Worte zur Fettleibigkeit: Es besteht ein überzeugender Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Entwicklung einer Adipositas, und zwar unabhängig von genetischen Faktoren oder Lifestyle. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Darmflora von Adipösen Kalorien effizienter verwerten kann (ca. 5 – 10 % höhere Aufnahme). In der Aussage von vielen stark Übergewichtigen: „Ich nehme zu, wenn ich Kuchen nur anschaue, während dem meine Freundin essen kann, was sie will ohne Gewichtszunahme“ steckt also ein Körnchen Wahrheit.

Wie können Sie eine gesunde Darmmikrobiota fördern?

Allgemein

  • Vaginale Geburt (d.h. kein Kaiserschnitt) und Stillen (wichtig für das Kind)
  • Möglichst selten Antibiotika verwenden (v.a. kleine Kinder)
  • Falls Antibiotika unumgänglich ist und bei Durchfall, gleichzeitig ein Probiotika bis min. 2 Wochen nach der Therapie einnehmen (z. B. Peterenterol®, Bioflorin®)
  • Zu viel Hygiene schadet. Vor allem Kinder profitieren vom Kontakt mit Haustieren, Schmutz und vom Bauernhofleben
  • Sich regelmässig bewegen
  • Für eine ausgewogene Work-Life-Balance sorgen

Ernährung

  • Möglichst oft Früchte, Salat, Gemüse konsumieren („take 5 a day“ anstreben)
  • Täglich Vollkornprodukte und Nüsse, Samen, Kernen essen
  • Regelmässig Hülsenfrüchte einplanen
  • Fisch aus Biozucht, Fleisch vom Biobauernhof bevorzugen (weniger Antibiotikaeinsatz)
  • Zucker, künstliche Süssstoffe und Fertigprodukte reduzieren

Mit einer solchen Ernährung liefern sie „Futter“ für die guten Bakterien im Darm, die sich dadurch vermehren können. Für einen optimalen Effekt muss die Ernährung langfristig umgestellt werden.

Die Zusammensetzung unserer Darmflora (oder Darmmikrobiota) bestimmt wahrscheinlich, ob wir ein höheres Risiko für verschiedene Krankheiten haben oder nicht. Durch unsere Ernährung, unseren Lebensstil sowie regelmässige Bewegung scheinen wir unsere Darmflora positiv beeinflussen zu können und damit vermutlich auch das Risiko für bestimmte Erkrankungen verringern.

Ich bin der Meinung, dass diese Erkenntnisse durchaus Sinn ergeben. Nicht erst seit gestern, empfehlen Ernährungswissenschaftler der Bevölkerung eine ballaststoffreiche Ernährung. Und dass zu viel isolierter bzw. zugefügter Zucker sich nicht gerade positiv auf unseren Organismus auswirkt, ist für mich auch nichts Neues. Höchst interessant finde ich jedoch die Ansicht, dass die Zusammensetzung der Darmflora Hinweise gibt, ob jemand ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten hat. Sollten sich diese Hinweise erhärten, ergeben sich daraus ganz neue Therapiechancen. Vielleicht erhalten depressive Menschen in Zukunft Ernährungstipps anstatt Antidepressiva! Eine spannende Idee.

 

Quellen:
Stocker R. Das Mikrobiom: Ein Universum für sich. Schweiz. Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2016; 2: S12-20

Aeberhard C, Moschen A, Stanga Z. Mikrobiom – unser ständiger Begleiter. Schweiz. Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2016; 2; S6-11