Stoffwechselanalysen: was halte ich davon?


Ich erhalte immer wieder Anfragen von Personen, die nachfragen, ob ich Ernährungsberatungen auf der Basis von Stoffwechselanalysen durchführe. Im nachfolgenden Text werde ich ausführen, warum meine Antwort auf solche Fragen jedes Mal „nein“ lautet.

Es ist richtig, dass im Bereich „Nutrigenomik“ viel geforscht wird. Die Nutrigenomik im Bereich der Ernährung hat zum Ziel anhand der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes, genetische Ursachen für verschiedene Volkskrankheiten herauszufinden, um in der Folge eine massgeschneiderte Ernährung inklusive Functional Food (mit Nährstoffen angereicherte Lebensmittel) sowie Lifestyle Empfehlungen für die entsprechenden Personen abgeben zu können. Ich gehe davon aus, dass in der Zukunft wahrscheinlich wissenschaftlich fundierte Tests vorhanden sein werden, die gute Resultate und Empfehlungen liefern. Gemäss meinem Wissenstand ist das heute jedoch noch nicht der Fall.

Auf den ersten Blick sind Stoffwechselanalysen ein interessanter Ansatz. Wer möchte nicht wissen, was einem gut tut und hilft das persönliche Ziel zu erreichen?  Nun ist es aber nicht von der Hand zu weisen, dass die Ursachen für eine gesundheitliche Herausforderung wie z. B. Adipositas (starkes Übergewicht) mit den entsprechenden Begleiterkrankungen oftmals multifaktoriell sind. Mit anderen Worten, es sind nicht nur die Gene, die am Übergewicht schuld sind. Es sind auch die persönlichen Erfahrungen, die unser Essverhalten gefärbt haben, unser Umgang mit Belastungssituationen, unser Bewegungsverhalten, unser Umfeld (z. B. Job, Freunde, Wohn- und Arbeitsort), und nicht zuletzt auch unsere Persönlichkeit.  Wenn ich gesünder werden möchte, muss ich alte ungute Gewohnheiten definitiv aufgeben, mir ein neues Verhalten aneignen, und zwar nicht nur bei der Ernährung (siehe oben). Bei diesem Prozess hilft mir keine Stoffwechselanalyse.

Noch etwas anderes Wichtiges möchte ich Ihnen mitteilen. Unsere Gesellschaft ist immer noch stark verstandesorientiert, auch wenn ich feststelle, dass sich das zum Glück langsam am Ändern ist. Was hat das nun mit der Ernährung zu tun? Viele Menschen haben verlernt, auf ihren Körper zu hören. Sie merken nicht welches (Ess-)Verhalten Ihnen gut tut und welches nicht. Das kann zu diversen Problemen führen wie z. B. Burnout, Bluthochdruck, Depressionen sowie zu einem grundsätzlich tieferen Energiepegel.

Ein Beispiel zum Essen: ich esse den Teller leer, auch wenn ich schon satt wäre. Mein Körper zeigt mir, (z. B. indem ich zufrieden bin, ein angenehmes Völlegefühl verspüre, der gute Geschmack vom Essen abgenommen hat), dass ich jetzt mit Essen aufhören müsste. Trotzdem esse ich weiter, weil mein Verstand mir sagt, „man darf nichts wegwerfen, das wäre Verschwendung“. Das unmittelbare Resultat von diesem Verhalten: ich fühle mich vielleicht unangenehm voll, nehme zu viel Energie zu mir, mein Gewicht steigt. Das längerfristige Resultat: meine Sättigungsgefühle nehmen ab, was das Überessen weiter anregt.

Eine Stoffwechselanalyse fördert dieses schon übermässig vorhandene Verstandesdenken weiter, denn eine Genanalyse sagt mir, was ich essen soll und was nicht. Wie bei vielen Diäten besteht die Gefahr eine Essstörung zu entwickeln.

Bei meinen Kunden ist die Körperwahrnehmung oft ein Thema. Meine Kunden sollen wieder spüren, wie äussern sich bei mir Hunger- und Sättigungsgefühle? Gibt es Unterschiede je nachdem was ich esse? Wann esse ich was und weshalb? Das sind nur einige Fragen, die dazu dienen, die Körperwahrnehmung zu verbessern. Die kontinuierliche Arbeit an sich selbst zahlt sich aus. Nicht nur durch ein tieferes Körpergewicht, sondern auch durch ein grundsätzlich erfüllteres Leben.