Eine fodmaparme Ernährung hilft oft bei Reizdarm


Vor ein paar Monaten kontaktierte mich Herr Müller für eine Ernährungsberatung. Er klagte über häufige und übelriechende Winde (Flatulenz). Zusätzlich hatte sich auch sein Atem verändert, so dass seine Frau ihn nicht mehr gerne küsste. Die Beschwerden hatten vor rund 2 Jahren ohne ersichtlichen Grund begonnen. Herr Müller war sich sicher, dass die unangenehmen Symptome etwas mit der Ernährung zu tun hätten. Eine lactosefreie Ernährung sowie Lactibiane (Milchsäurebakterien) hatten jedoch keine bleibende Besserung gebracht. Es existierte auch keine klare medizinische Diagnose wie z. B. eine Nahrungsallergie.

Als ich nach den Ernährungsgewohnheiten von Herrn Müller fragte, stellte sich heraus, dass er aussergewöhnlich viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Nüsse und Kernen/Samen ass.  Jede Ernährungsberaterin wäre begeistert über eine so gesunde Ernährung, wenn nicht die Beschwerden wären. Pflanzliche ballaststoffreiche Lebensmittel, vor allem in grosser Menge haben jedoch auch ein höheres Unverträglichkeitsrisiko, d.h. der Darm hat Mühe mit der Verdauung, was sich in den beschriebenen Symptomen ausdrücken kann.

Ich fragte Herr Müller, ob er bereit für ein Experiment sei. Er willigte ein, während ein 2 Wochen eine fodmaparme Diät durchzuführen. Die fodmaparme Diät ist eine stark einschränkende Diät, die fodmapreiche Lebensmittel meidet. Diverse Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Milchprodukte etc. dürfen nicht gegessen werden. Eine hohe Motivation ist Bedingung für eine erfolgreiche Diät.

Zwei Wochen später berichtete Herr Müller, dass seine Beschwerden bereits nach ½ Wochen verschwunden waren. Zudem hatte sich auch sein Energiepegel deutlich gesteigert, so dass er mit 1 h weniger Schlaf pro Nacht auskam.

Aufgrund des Versuchs war klar, dass Herr Müller auf die Diät ansprach. Als nächsten Schritt führte Herr Müller diese noch ein paar Wochen weiter und freute sich über die Beschwerdefreiheit. In einem 2. Schritt testete er verschiedene fodmapreiche Lebensmittel aus, um herauszufinden in welcher Menge und Kombination er diese vertrug. Diese Phase dauerte mehrere Wochen und ist sehr wichtig, weil sonst die Ernährung nicht nährstoffdeckend ist. Manchmal haben Patienten jedoch Angst davor, dass die Beschwerden wieder zurückkommen und führen deshalb diese 2. Phase zu wenig ausdauernd und konsequent durch. Dann braucht es viel „Zureden“ von meiner Seite, damit langfristig die Lebensqualität und eine gesunde Ernährung sichergestellt sind.