Bio-Lebensmittel unter der Lupe


Herr und Frau Schweizer kaufen immer mehr Bio-Lebensmittel ein. So stieg der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt in der Schweiz von 7.7 % (2015) auf 8.4 % (2016). Was ist der Unterschied zwischen Bio-Lebensmitteln und Lebensmittel aus konventioneller Produktion?  Sind Bio-Lebensmittel gesünder? Auf diese Fragen und mehr antworte ich in diesem Artikel.

Vorab ist wichtig zu wissen: Bio ist nicht gleich Bio. Je nach Label sind die Anforderungen z. B. an die Tierhaltung, den Erhalt der Biodiversität oder den Anbau der Lebensmittel unterschiedlich streng. Die Internetseiten von labelinfo.ch sowie  wwf.ch beantworten diese Frage auf einfache Art und Weise. Der WWF bietet diese Informationen auch als praktische App Version an.

Eines der Label mit den strengsten Auflagen ist die Knospe Bio bzw. die Knospe Bio Suisse.  Insgesamt gibt es vier Prinzipien, welche der Herstellung von biologischen Lebensmitteln zugrunde liegen.

Prinzip der Gesundheit: Biolandbau hat zum Ziel die Gesundheit des Bodens, der Pflanzen, der Tiere, der Menschen und des Planeten zu bewahren und zu stärken.

Prinzip der Ökologie: Biolandbau soll auf natürlichen Ökosystemen und Kreisläufen aufbauen, mit ihnen arbeiten, sie nachahmen und stärken

Prinzip der Gerechtigkeit (Wirtschaft): Biolandbau fördert Chancengleichheit und Gerechtigkeit im Leben

Prinzip der Sorgfalt (Gesellschaft): Biolandbau soll in verantwortungsvoller Weise betrieben werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der heutigen und zukünftigen Generation zu erhalten und die Umwelt zu schützen.

Was bedeuten diese Prinzipien in der Praxis? Dazu ein paar Beispiele:

  • Gesamter Bauernhof muss biologisch wirtschaften
  • Chemisch-synthetische Pestizide und Gentechnik sind verboten
  • Anstelle von über 300 sind nur 31 Zusatzstoffe erlaubt (Bio Suisse)
  • Schonende Verarbeitung von Lebensmitteln
  • Weniger Antibiotikaeinsatz bei kranken Tieren (natürliche Mittel und Komplementärmedizin werden bevorzugt)
  • Verbot von Wachstumshormonen bei Nutztieren
  • Täglicher Auslauf oder Weide für Nutztiere
  • Förderung eines möglichst natürlichen Verhaltens von Nutztieren (Haltung in Gruppen, genügend Platz etc.)
  • Seit 2016 muss jeder Betrieb 12 Massnahmen zur Förderung der Biodiversität ergreifen (z. B. Haltung von Bienen, Waldränder)

Um die Einhaltung der Richtlinien für die Bio Produktion zu überprüfen, findet jährlich eine umfassende Kontrolle aller Landwirtschafts-, Verarbeitungs- Handels- und Lagerbetriebe statt, die mit Biolebensmitteln in Kontakt sind.

Wie steht es nun um die Zusammensetzung von Bio-Lebensmittel? Sind diese gesünder? Eine Auswertung von über 300 Studien aus dem Jahr 2014 zeigte, dass biologisch hergestellte Lebensmittel weniger Nitrat, Pestizide sowie Kadmium (giftiges Schwermetall), einen 20 – 60 % höheren Gehalt an Antioxidantien [z. B. (Poly-)phenole] und mehr Omega-3 Fettsäuren (in Milchprodukte, Geflügel) enthalten.  Die Wissenschaft geht davon aus, dass Antioxidantien z. B. Entzündungsprozesse im Körper sowie die Entstehung von Krebs hemmen. Auch Omega-3 Fettsäuren wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Weniger gut schnitt Bio-Getreide beim Proteingehalt und bei den Ballaststoffen bzw. Nahrungsfasern ab. Der leicht geringere Eiweissgehalt ist angesichts der ausreichenden oder z. T. übermässigen Proteinversorgung in der westlichen Bevölkerung zu vernachlässigen. Bei den Nahrungsfasern sieht es anders aus. Hier wäre ein höherer Gehalt sinnvoll, da Ballaststoffe zu einer guten Verdauung beitragen und die Schweizer Bevölkerung grundsätzlich zu wenig Nahrungsfasern zu sich nimmt. Insgesamt gesehen fallen die Analysen zugunsten von Bio-Lebensmitteln aus. Ob sie dadurch gesünder sind für den Mensch kann jedoch nicht abschliessend beurteilt werden. Nachweisbar ist hingegen, dass der Biolandbau sich positiv auf die Biodiversität auswirkt und Flüsse, Seen, Grundwasser und den Boden schont.

Ich bin der Meinung, dass wir alle von einer artenreichen, gesunden Umwelt profitieren, deshalb lohnt es sich auf jeden Fall Bio-Lebensmitteln zu konsumieren. Ich selbst kaufe inzwischen rund 90 % meiner Lebensmittel in Bioqualität. Ein Kurs zum Thema „nachhaltige Ernährung“ und ein hohes Umweltbewusstsein haben bei mir zum Umdenken geführt. Den teureren Preis nehme ich dafür in Kauf.

 

Quellen:

Bickel R, Rossier R. Nachhaltigkeit und Qualität biologischer Lebensmittel. FiBL 2015; 4: 2. Auflage

Baranski M et al. Higher antioxidant and lower cadmium concentration and lower incidence of pesticide residues in organically grown crops : a systematic literature review and meta-analyses. Br J Nutr 2014; 112 : S794 – 811

Anforderungen im Biolandbau. FiBL, Kurzfassung 2017

www.bio-suisse.ch (Bio in Zahlen)

www.labelinfo.ch