Stoffwechselanalysen: was halte ich davon?

Stoffwechselanalysen: was halte ich davon?


Ich erhalte immer wieder Anfragen von Personen, die nachfragen, ob ich Ernährungsberatungen auf der Basis von Stoffwechselanalysen durchführe. Im nachfolgenden Text werde ich ausführen, warum meine Antwort auf solche Fragen jedes Mal „nein“ lautet.

Es ist richtig, dass im Bereich „Nutrigenomik“ viel geforscht wird. Die Nutrigenomik im Bereich der Ernährung hat zum Ziel anhand der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes, genetische Ursachen für verschiedene Volkskrankheiten herauszufinden, um in der Folge eine massgeschneiderte Ernährung inklusive Functional Food (mit Nährstoffen angereicherte Lebensmittel) sowie Lifestyle Empfehlungen für die entsprechenden Personen abgeben zu können. Ich gehe davon aus, dass in der Zukunft wahrscheinlich wissenschaftlich fundierte Tests vorhanden sein werden, die gute Resultate und Empfehlungen liefern. Gemäss meinem Wissenstand ist das heute jedoch noch nicht der Fall.

Auf den ersten Blick sind Stoffwechselanalysen ein interessanter Ansatz. Wer möchte nicht wissen, was einem gut tut und hilft das persönliche Ziel zu erreichen?  Nun ist es aber nicht von der Hand zu weisen, dass die Ursachen für eine gesundheitliche Herausforderung wie z. B. Adipositas (starkes Übergewicht) mit den entsprechenden Begleiterkrankungen oftmals multifaktoriell sind. Mit anderen Worten, es sind nicht nur die Gene, die am Übergewicht schuld sind. Es sind auch die persönlichen Erfahrungen, die unser Essverhalten gefärbt haben, unser Umgang mit Belastungssituationen, unser Bewegungsverhalten, unser Umfeld (z. B. Job, Freunde, Wohn- und Arbeitsort), und nicht zuletzt auch unsere Persönlichkeit.  Wenn ich gesünder werden möchte, muss ich alte ungute Gewohnheiten definitiv aufgeben, mir ein neues Verhalten aneignen, und zwar nicht nur bei der Ernährung (siehe oben). Bei diesem Prozess hilft mir keine Stoffwechselanalyse.

Noch etwas anderes Wichtiges möchte ich Ihnen mitteilen. Unsere Gesellschaft ist immer noch stark verstandesorientiert, auch wenn ich feststelle, dass sich das zum Glück langsam am Ändern ist. Was hat das nun mit der Ernährung zu tun? Viele Menschen haben verlernt, auf ihren Körper zu hören. Sie merken nicht welches (Ess-)Verhalten Ihnen gut tut und welches nicht. Das kann zu diversen Problemen führen wie z. B. Burnout, Bluthochdruck, Depressionen sowie zu einem grundsätzlich tieferen Energiepegel.

Ein Beispiel zum Essen: ich esse den Teller leer, auch wenn ich schon satt wäre. Mein Körper zeigt mir, (z. B. indem ich zufrieden bin, ein angenehmes Völlegefühl verspüre, der gute Geschmack vom Essen abgenommen hat), dass ich jetzt mit Essen aufhören müsste. Trotzdem esse ich weiter, weil mein Verstand mir sagt, „man darf nichts wegwerfen, das wäre Verschwendung“. Das unmittelbare Resultat von diesem Verhalten: ich fühle mich vielleicht unangenehm voll, nehme zu viel Energie zu mir, mein Gewicht steigt. Das längerfristige Resultat: meine Sättigungsgefühle nehmen ab, was das Überessen weiter anregt.

Eine Stoffwechselanalyse fördert dieses schon übermässig vorhandene Verstandesdenken weiter, denn eine Genanalyse sagt mir, was ich essen soll und was nicht. Wie bei vielen Diäten besteht die Gefahr eine Essstörung zu entwickeln.

Bei meinen Kunden ist die Körperwahrnehmung oft ein Thema. Meine Kunden sollen wieder spüren, wie äussern sich bei mir Hunger- und Sättigungsgefühle? Gibt es Unterschiede je nachdem was ich esse? Wann esse ich was und weshalb? Das sind nur einige Fragen, die dazu dienen, die Körperwahrnehmung zu verbessern. Die kontinuierliche Arbeit an sich selbst zahlt sich aus. Nicht nur durch ein tieferes Körpergewicht, sondern auch durch ein grundsätzlich erfüllteres Leben.


Bedürfnisse wahrnehmen und ernst nehmen

Bedürfnisse wahrnehmen und ernst nehmen


Wer ein Ohr für die Herausforderungen seines Familien- und Bekanntenkreises hat und gesellschaftliche Berichterstattungen in den Medien verfolgt, stellt fest, dass sich viele Menschen gestresst fühlen. Einerseits hat das mit unserer Leistungsgesellschaft zu tun, aber auch mit den hohen Anforderungen, die wir manchmal an uns selbst stellen. Wir möchten eine perfekte Mutter, Ehefrau sowie Arbeitnehmerin sein, unsere Kontakte zur Familie  und unseren Freunden pflegen und auch noch Zeit für unsere Hobbys haben. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung. Aus den Erzählungen von meinen Kunden, aber auch aus meinem persönlichen Umfeld geht hervor, dass oftmals die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen, d.h. zu wenig Schlaf, keine Zeit für sich selbst (Hobbys, Freunde), wir ernähren uns nicht so wie wir wollen und der Sport bleibt auch auf der Strecke. Hält diese Situation über eine längere Zeit an, drohen Burnout und gesundheitliche Beschwerden wie z. B. Bluthochdruck, Schlafstörungen, Übergewicht etc.

Wer sich im Hamsterrad befindet und sich oft erschöpft fühlt, tut sich etwas Gutes, wenn er sich auf die Suche nach seinen Bedürfnissen macht. Folgende Fragen können helfen Klarheit zu gewinnen:

Was ist mir wichtig, tut mir gut? Wie stelle ich mir ein ideales Leben vor? Passt meine Arbeitsstelle zu mir? Führe ich eine Beziehung zu meinem Partner, meiner Familie wie ich es mir wünsche? Wo übernehme ich zu viel Verantwortung für andere? Welche meiner Verhaltensweisen verhindern, dass mein Leben so ist, wie ich es mir vorstelle?

Als zweiten Schritt geht es darum Lösungen zu suchen für Lebensbereiche, die nicht im Gleichgewicht sind und das auch entsprechend zu kommunizieren.

Im dritten Schritt geht es um die Umsetzung der Lösungen. Das tönt nun sicher einfacher in der Theorie als es in der Praxis ist, doch ist es eine Möglichkeit, um langfristig das Hamsterrad zu verlassen. Sie werden ihr Leben nicht von heute auf morgen umkrempeln können. Geben Sie sich die Zeit, die sie brauchen und beginnen Sie mit dem Einfachsten. Besprechen Sie mit Freunden ihre Themen, informieren Sie sich, z.B. indem Sie Bücher lesen oder entsprechende Fernsehsendungen schauen. Beobachten Sie auch Ihre Eltern. Manchmal hat man unbewusst Verhaltensweisen von ihnen übernommen, die nicht optimal sind im Hinblick auf ein zufriedeneres Leben. Eine weitere Möglichkeit sind natürlich auch professionelle Lebensberatungen oder Psychotherapien.

Wählen Sie jene Optionen, die Ihnen am meisten zusagen und begeben Sie sich heute auf den Weg zu einer Lebensform, die Ihren Bedürfnissen entspricht.


Welches Leben will ich führen?

Welches Leben will ich führen?


Im Frühling 2016 kontaktierte mich Frau Meier, weil sie aus gesundheitlichen Gründen abnehmen wollte. Obwohl sie noch jung war, hatte sie aufgrund des Gewichts bereits Knieschmerzen. Frau Meier arbeitete viel, oft 60 – 70 h pro Woche, weniger weil sie musste, sondern mehr weil sie es wollte. Gleichzeitig stellte sie jedoch fest, dass Ärger und Stress, meist durch die Arbeit verursacht, sie öfters zu raschem und ungesundem Essen trieben. Zusätzlich beschwerte sich der Freund darüber, dass sie wenig Zeit für ihn hatte.

Nach einer anfänglichen Gewichtsreduktion von 2 kg, blieb das Gewicht während mehreren Monaten stabil, trotzdem kam sie 1 x pro Monat in die Ernährungsberatung. Viele Kunden in ähnlicher Situation geben auf und kommen irgendwann nicht mehr. Nicht so Frau Meier. Sie nutzte die Zeit ihr Ernährungswissen zu erweitern, setzte verschiedene Ernährungsmassnahmen um, wenn auch nicht konsequent und verhinderte dadurch eine Gewichtszunahme.

Da ich vermutete, dass die Arbeit ein wichtiger Faktor war, der sie daran hinderte genügend Ressourcen für eine Ernährungsumstellung zu haben, führte ich in der 3. Beratung die Wunderfrage mit Frau Meier durch. Frau Meier sollte sich ein ideales Leben vorstellen. Wie sah dieses aus? Folgendes kam dabei heraus: 42 h Job, 1 – 2 Kinder, entspannt sein, agieren statt reagieren, ihre Bedürfnisse ausleben können. Das „ideale Leben“ war somit genau das Gegenteil von dem, was sie gerade erlebte. Auf der einen Seite war ihr Karrieredrang, der jedoch im Widerspruch zu ihren ureigensten Bedürfnissen stand. Die Verhaltensänderung wurde schlussendlich angestossen von einem Ultimatum des Freundes. Die Arbeit war plötzlich nicht mehr erste Priorität. Sie konnte sich besser abgrenzen, begann wieder regelmässig Sport zu treiben und stellte ihre Ernährung um. Der Effekt auf die Psyche liess nicht lange auf sich warten. Sie fühlte sich sehr gut, lachte wieder und war rundum zufrieden mit ihrem Leben. Innerhalb von ein paar Wochen verlor sie 5 kg.

Mit diesem Beispiel will ich auf zwei Dinge hinweisen:

Erstens geben Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um ein Ziel zu erreichen. Bedenken Sie, dass manchmal eine Veränderung zuerst im Inneren stattfinden muss, bevor sie sich im Äusseren zeigen kann. Bleiben Sie dran und geben Sie nicht auf.

Zweitens mit zunehmender Lebenserfahrung stelle ich fest, dass viele Menschen, denen ich begegne nicht das Leben führen, dass sie in ihrem Innersten wollen, sondern das, was die Gesellschaft, das Umfeld für das Beste hält. Langfristig kann dies negative Konsequenzen haben, zum Beispiel für die Gesundheit oder die Beziehungen, die man führt. Als erster Schritt ist es wichtig herauszufinden, was man wirklich will, und das ist nicht einfach und braucht Zeit. Bei vielem, das wir tun, sind wir nämlich von Aussen beeinflusst, ohne dass wir uns darüber im Klaren sind. Erst wenn Sie wissen, was Sie wirklich wollen, können Sie die nötigen Veränderungen einleiten. Das braucht manchmal Mut, aber es lohnt sich. Sie werden glücklicher sein.


Wir sind – was wir essen: Die Darmflora

Wir sind – was wir essen: Die Darmflora


Die Darmflora bzw. Darmmikrobiota ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Viren, Pilze etc.) im Darm. Sie ist für viele lebensnotwendige Vorgänge beim Menschen zuständig: zum Beispiel hilft sie beim Verdauen, produziert Vitamine und Fettsäuren, stärkt das Immunsystem und schützt vor Krankheitserregern.

Diverse Studien haben interessante Zusammenhänge zwischen verschiedenen Krankheiten und der Zusammensetzung der Darmmikrobiota festgestellt. Grundsätzlich gilt, je grösser die Diversität und Stabilität der Mikroorganismen, desto gesünder der Darm.  Ein Ungleichgewicht fördert dagegen Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, Bluthochdruck, Allergien, Zöliakie, Asthma, Autismus, Depressionen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Darmkrebs. Bemerkenswert ist insbesondere auch, dass der Vertrauungstrakt (vor allem die Darmflora) mit dem Gehirn über das zentrale Nervensystem kommuniziert. So beeinflussen zum Beispiel Angstzustände und Depressionen die Mikrobiota, was zu Verdauungsbeschwerden führen kann.

Noch ein paar Worte zur Fettleibigkeit: Es besteht ein überzeugender Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Entwicklung einer Adipositas, und zwar unabhängig von genetischen Faktoren oder Lifestyle. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Darmflora von Adipösen Kalorien effizienter verwerten kann (ca. 5 – 10 % höhere Aufnahme). In der Aussage von vielen stark Übergewichtigen: „Ich nehme zu, wenn ich Kuchen nur anschaue, während dem meine Freundin essen kann, was sie will ohne Gewichtszunahme“ steckt also ein Körnchen Wahrheit.

Wie können Sie eine gesunde Darmmikrobiota fördern?

Allgemein

  • Vaginale Geburt (d.h. kein Kaiserschnitt) und Stillen (wichtig für das Kind)
  • Möglichst selten Antibiotika verwenden (v.a. kleine Kinder)
  • Falls Antibiotika unumgänglich ist und bei Durchfall, gleichzeitig ein Probiotika bis min. 2 Wochen nach der Therapie einnehmen (z. B. Peterenterol®, Bioflorin®)
  • Zu viel Hygiene schadet. Vor allem Kinder profitieren vom Kontakt mit Haustieren, Schmutz und vom Bauernhofleben
  • Sich regelmässig bewegen
  • Für eine ausgewogene Work-Life-Balance sorgen

Ernährung

  • Möglichst oft Früchte, Salat, Gemüse konsumieren („take 5 a day“ anstreben)
  • Täglich Vollkornprodukte und Nüsse, Samen, Kernen essen
  • Regelmässig Hülsenfrüchte einplanen
  • Fisch aus Biozucht, Fleisch vom Biobauernhof bevorzugen (weniger Antibiotikaeinsatz)
  • Zucker, künstliche Süssstoffe und Fertigprodukte reduzieren

Mit einer solchen Ernährung liefern sie „Futter“ für die guten Bakterien im Darm, die sich dadurch vermehren können. Für einen optimalen Effekt muss die Ernährung langfristig umgestellt werden.

Die Zusammensetzung unserer Darmflora (oder Darmmikrobiota) bestimmt wahrscheinlich, ob wir ein höheres Risiko für verschiedene Krankheiten haben oder nicht. Durch unsere Ernährung, unseren Lebensstil sowie regelmässige Bewegung scheinen wir unsere Darmflora positiv beeinflussen zu können und damit vermutlich auch das Risiko für bestimmte Erkrankungen verringern.

Ich bin der Meinung, dass diese Erkenntnisse durchaus Sinn ergeben. Nicht erst seit gestern, empfehlen Ernährungswissenschaftler der Bevölkerung eine ballaststoffreiche Ernährung. Und dass zu viel isolierter bzw. zugefügter Zucker sich nicht gerade positiv auf unseren Organismus auswirkt, ist für mich auch nichts Neues. Höchst interessant finde ich jedoch die Ansicht, dass die Zusammensetzung der Darmflora Hinweise gibt, ob jemand ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten hat. Sollten sich diese Hinweise erhärten, ergeben sich daraus ganz neue Therapiechancen. Vielleicht erhalten depressive Menschen in Zukunft Ernährungstipps anstatt Antidepressiva! Eine spannende Idee.

 

Quellen:
Stocker R. Das Mikrobiom: Ein Universum für sich. Schweiz. Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2016; 2: S12-20

Aeberhard C, Moschen A, Stanga Z. Mikrobiom – unser ständiger Begleiter. Schweiz. Zeitschrift für Ernährungsmedizin 2016; 2; S6-11


Bio-Lebensmittel unter der Lupe

Bio-Lebensmittel unter der Lupe


Herr und Frau Schweizer kaufen immer mehr Bio-Lebensmittel ein. So stieg der Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt in der Schweiz von 7.7 % (2015) auf 8.4 % (2016). Was ist der Unterschied zwischen Bio-Lebensmitteln und Lebensmittel aus konventioneller Produktion?  Sind Bio-Lebensmittel gesünder? Auf diese Fragen und mehr antworte ich in diesem Artikel.

Vorab ist wichtig zu wissen: Bio ist nicht gleich Bio. Je nach Label sind die Anforderungen z. B. an die Tierhaltung, den Erhalt der Biodiversität oder den Anbau der Lebensmittel unterschiedlich streng. Die Internetseiten von labelinfo.ch sowie  wwf.ch beantworten diese Frage auf einfache Art und Weise. Der WWF bietet diese Informationen auch als praktische App Version an.

Eines der Label mit den strengsten Auflagen ist die Knospe Bio bzw. die Knospe Bio Suisse.  Insgesamt gibt es vier Prinzipien, welche der Herstellung von biologischen Lebensmitteln zugrunde liegen.

Prinzip der Gesundheit: Biolandbau hat zum Ziel die Gesundheit des Bodens, der Pflanzen, der Tiere, der Menschen und des Planeten zu bewahren und zu stärken.

Prinzip der Ökologie: Biolandbau soll auf natürlichen Ökosystemen und Kreisläufen aufbauen, mit ihnen arbeiten, sie nachahmen und stärken

Prinzip der Gerechtigkeit (Wirtschaft): Biolandbau fördert Chancengleichheit und Gerechtigkeit im Leben

Prinzip der Sorgfalt (Gesellschaft): Biolandbau soll in verantwortungsvoller Weise betrieben werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der heutigen und zukünftigen Generation zu erhalten und die Umwelt zu schützen.

Was bedeuten diese Prinzipien in der Praxis? Dazu ein paar Beispiele:

  • Gesamter Bauernhof muss biologisch wirtschaften
  • Chemisch-synthetische Pestizide und Gentechnik sind verboten
  • Anstelle von über 300 sind nur 31 Zusatzstoffe erlaubt (Bio Suisse)
  • Schonende Verarbeitung von Lebensmitteln
  • Weniger Antibiotikaeinsatz bei kranken Tieren (natürliche Mittel und Komplementärmedizin werden bevorzugt)
  • Verbot von Wachstumshormonen bei Nutztieren
  • Täglicher Auslauf oder Weide für Nutztiere
  • Förderung eines möglichst natürlichen Verhaltens von Nutztieren (Haltung in Gruppen, genügend Platz etc.)
  • Seit 2016 muss jeder Betrieb 12 Massnahmen zur Förderung der Biodiversität ergreifen (z. B. Haltung von Bienen, Waldränder)

Um die Einhaltung der Richtlinien für die Bio Produktion zu überprüfen, findet jährlich eine umfassende Kontrolle aller Landwirtschafts-, Verarbeitungs- Handels- und Lagerbetriebe statt, die mit Biolebensmitteln in Kontakt sind.

Wie steht es nun um die Zusammensetzung von Bio-Lebensmittel? Sind diese gesünder? Eine Auswertung von über 300 Studien aus dem Jahr 2014 zeigte, dass biologisch hergestellte Lebensmittel weniger Nitrat, Pestizide sowie Kadmium (giftiges Schwermetall), einen 20 – 60 % höheren Gehalt an Antioxidantien [z. B. (Poly-)phenole] und mehr Omega-3 Fettsäuren (in Milchprodukte, Geflügel) enthalten.  Die Wissenschaft geht davon aus, dass Antioxidantien z. B. Entzündungsprozesse im Körper sowie die Entstehung von Krebs hemmen. Auch Omega-3 Fettsäuren wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Weniger gut schnitt Bio-Getreide beim Proteingehalt und bei den Ballaststoffen bzw. Nahrungsfasern ab. Der leicht geringere Eiweissgehalt ist angesichts der ausreichenden oder z. T. übermässigen Proteinversorgung in der westlichen Bevölkerung zu vernachlässigen. Bei den Nahrungsfasern sieht es anders aus. Hier wäre ein höherer Gehalt sinnvoll, da Ballaststoffe zu einer guten Verdauung beitragen und die Schweizer Bevölkerung grundsätzlich zu wenig Nahrungsfasern zu sich nimmt. Insgesamt gesehen fallen die Analysen zugunsten von Bio-Lebensmitteln aus. Ob sie dadurch gesünder sind für den Mensch kann jedoch nicht abschliessend beurteilt werden. Nachweisbar ist hingegen, dass der Biolandbau sich positiv auf die Biodiversität auswirkt und Flüsse, Seen, Grundwasser und den Boden schont.

Ich bin der Meinung, dass wir alle von einer artenreichen, gesunden Umwelt profitieren, deshalb lohnt es sich auf jeden Fall Bio-Lebensmitteln zu konsumieren. Ich selbst kaufe inzwischen rund 90 % meiner Lebensmittel in Bioqualität. Ein Kurs zum Thema „nachhaltige Ernährung“ und ein hohes Umweltbewusstsein haben bei mir zum Umdenken geführt. Den teureren Preis nehme ich dafür in Kauf.

 

Quellen:

Bickel R, Rossier R. Nachhaltigkeit und Qualität biologischer Lebensmittel. FiBL 2015; 4: 2. Auflage

Baranski M et al. Higher antioxidant and lower cadmium concentration and lower incidence of pesticide residues in organically grown crops : a systematic literature review and meta-analyses. Br J Nutr 2014; 112 : S794 – 811

Anforderungen im Biolandbau. FiBL, Kurzfassung 2017

www.bio-suisse.ch (Bio in Zahlen)

www.labelinfo.ch


Eine erfolgreiche Ernährungsumstellung braucht Ressourcen

Eine erfolgreiche Ernährungsumstellung benötigt Ressourcen


Frau Huber kam im Winter 2016 in die Ernährungsberatung mit dem Ziel abzunehmen. Sie hatte einen BMI von 28.6, war also etwas übergewichtig. Ausserdem wünschte sie sich ein Kind.

Im Laufe der Ernährungsberatungen stellte sich heraus, dass sie aus emotionalen Gründen teilweise unkontrolliert und heimlich Süsses ass. Ihre Mutter zeigte ihre Liebe zur Tochter, indem sie ihr Süssigkeiten auftischte. Hinzu kam, dass ihr Mann sich die schlanke Frau zurück wünschte, die er geheiratet hatte und deshalb ihre Ernährung kritisierte. Mit der Zeit erfuhr ich, dass sie Eheprobleme hatte, ihr Kinderwunsch weiterhin unerfüllt blieb und sie auf Jobsuche war, was sie zusätzlich stresste. Es wurde auch immer klarer, dass der Druck zur Gewichtsabnahme von ihrem Mann kam.

Trotz dieser widrigen Umstände gelang es ihr ein paar Kilos abzunehmen, was jedoch eher damit zu tun hatte, dass die Nervosität ihr „den Appetit verdarb“ und weniger mit einer nachhaltigen Ernährungsumstellung. Die persönliche Situation bei Frau Huber spitzte sich zu, weswegen wir die Ernährungsberatung unterbrachen.

Eine Ernährungsumstellung erfordert bestimmte Bedingungen. Einerseits muss die Motivation genügend hoch sein, aber auch die äusseren Umstände müssen stimmen. Wenn verschiedene Bereiche des Lebens aus dem Gleichgewicht sind, sollte man sich nicht noch eine weitere Bürde aufladen, indem man seine Essgewohnheiten ändern will. Der Misserfolg ist vorprogrammiert, was den Stresspegel noch erhöht. Besser ist es zuerst Ordnung in die entsprechenden Lebensbereiche zu bringen, dann werden Ressourcen frei für die Ernährung und damit sind Erfolge wieder möglich.


Eine fodmaparme Ernährung hilft oft bei Reizdarm

Eine fodmaparme Ernährung hilft oft bei Reizdarm


Vor ein paar Monaten kontaktierte mich Herr Müller für eine Ernährungsberatung. Er klagte über häufige und übelriechende Winde (Flatulenz). Zusätzlich hatte sich auch sein Atem verändert, so dass seine Frau ihn nicht mehr gerne küsste. Die Beschwerden hatten vor rund 2 Jahren ohne ersichtlichen Grund begonnen. Herr Müller war sich sicher, dass die unangenehmen Symptome etwas mit der Ernährung zu tun hätten. Eine lactosefreie Ernährung sowie Lactibiane (Milchsäurebakterien) hatten jedoch keine bleibende Besserung gebracht. Es existierte auch keine klare medizinische Diagnose wie z. B. eine Nahrungsallergie.

Als ich nach den Ernährungsgewohnheiten von Herrn Müller fragte, stellte sich heraus, dass er aussergewöhnlich viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Nüsse und Kernen/Samen ass.  Jede Ernährungsberaterin wäre begeistert über eine so gesunde Ernährung, wenn nicht die Beschwerden wären. Pflanzliche ballaststoffreiche Lebensmittel, vor allem in grosser Menge haben jedoch auch ein höheres Unverträglichkeitsrisiko, d.h. der Darm hat Mühe mit der Verdauung, was sich in den beschriebenen Symptomen ausdrücken kann.

Ich fragte Herr Müller, ob er bereit für ein Experiment sei. Er willigte ein, während ein 2 Wochen eine fodmaparme Diät durchzuführen. Die fodmaparme Diät ist eine stark einschränkende Diät, die fodmapreiche Lebensmittel meidet. Diverse Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Milchprodukte etc. dürfen nicht gegessen werden. Eine hohe Motivation ist Bedingung für eine erfolgreiche Diät.

Zwei Wochen später berichtete Herr Müller, dass seine Beschwerden bereits nach ½ Wochen verschwunden waren. Zudem hatte sich auch sein Energiepegel deutlich gesteigert, so dass er mit 1 h weniger Schlaf pro Nacht auskam.

Aufgrund des Versuchs war klar, dass Herr Müller auf die Diät ansprach. Als nächsten Schritt führte Herr Müller diese noch ein paar Wochen weiter und freute sich über die Beschwerdefreiheit. In einem 2. Schritt testete er verschiedene fodmapreiche Lebensmittel aus, um herauszufinden in welcher Menge und Kombination er diese vertrug. Diese Phase dauerte mehrere Wochen und ist sehr wichtig, weil sonst die Ernährung nicht nährstoffdeckend ist. Manchmal haben Patienten jedoch Angst davor, dass die Beschwerden wieder zurückkommen und führen deshalb diese 2. Phase zu wenig ausdauernd und konsequent durch. Dann braucht es viel „Zureden“ von meiner Seite, damit langfristig die Lebensqualität und eine gesunde Ernährung sichergestellt sind.